Heidiseum - Kotabe

The Heidiseum-Artists

Johanna Spyri und ihr Werk als Impulsgeber für die Kunst

«Die Auffassung der Bildchen ist mir sehr sympathisch, sie gefallen mir alle, ich möchte keines vermissen, im Gegentheil, ich hätte ihrer gern noch mehrere. Meine Bemerkungen fange ich bei Heidi an: Köstlich ist es unter seinen Geißen, ebenso in Frankfurt, beide Male ist das Kind vorzüglich in seiner Erscheinung. Auf der Alp bei der Hütte ist der Großvater prächtig, das Kind hätte ich dort gern noch einfacher aussehend, die Stellung ist sehr gut.»

Johanna Spyri am 9. Mai 1880 an den Künstler F. W. Pfeiffer

Heidi - F.W. Pfeiffer

Diese Zeilen entstammen einem Brief der Autorin Johanna Spyri, in dem sie sich mit ihren Anmerkungen ausführlich an den ersten Illustrator ihrer Bücher Friedrich Wilhelm Pfeiffer (1822–1891) wendet. Von Anfang an hatte ihr Verleger Emil Friedrich Perthes in Gotha geplant, ihre Bücher mit Illustrationen auszustatten.

Die künstlerische Umsetzung ihrer Geschichten, darunter Heidi, war für Spyri keine Nebensache  – ganz im Gegenteil. Die Korrespondenz mit dem Maler in den Originalbriefen zeugt davon, dass Spyri nicht nur ein feines Gespür für Literatur, sondern auch für die Kunst hatte und auf diesem Gebiet höchst anspruchsvoll war. In ihren Bildkommentaren zeigt sich Spyri als kompromisslose Betrachterin, die freundlich, aber selbstbewusst ihre Sicht der Dinge darstellt, da die „Sache“, wie sie Pfeiffer schreibt, sie „bis auf das letzte Pünktchen“ interessiert. Die Illustrationen, so die Vorstellung der Autorin, sollten den Erzähltext so begleiten, dass Bild und Text gleichberechtigt nebeneinanderstehen.

Mit kritischem Blick und Sinn für Details wollte sie deshalb als Impulsgeberin Einfluss darauf nehmen, welche Gestalt ihre Romanhelden annehmen sollten. In ihren Briefen wird deutlich, welche Erwartungen sie an den Künstler stellte und gab vor, welche Szenen illustratorisch umgesetzt werden sollten und welche Zeichnungen sie für Kinder gelungen hielt.

Mit Pfeiffers Heidi-Darstellungen beginnt der innovative Weg der wechselvollen Illustrationsgeschichte von Spyris Kinderbüchern und der Ikonographie von Heidi. Von den berühmten Illustratoren und Kunstmalern, die für Johanna Spyri und den Perthes-Verlag in Gotha tätig waren, kannte die Autorin neben Pfeiffer noch persönlich Rudolf Geissler (1834–1906) und Wilhelm Claudius (1854–1942). Sie alle haben Spyris Heidi gezeichnet und der weltberühmten Mädchenfigur eine `Gestalt´ gegeben. Ihre Zeichnungen waren auch den Leserinnen in Dänemark, England, Frankreich, Schweden, Holland und Finnland bekannt, wo zwischen 1882 und 1885 die ersten autorisierten Übersetzungen erschienen.

Heute ist Heidi ein globales Phänomen und hat sich von der Buchvorlage emanzipiert und künstlerisch weiterentwickelt. Als Zeichentrickfigur ist vor allem das Heidi des japanischen Animationskünstlers Yoichi Kotabe in fast allen Ländern und Kulturen bekannt geworden. Jedoch haben sich auch andere Künstlerinnen und Künstler zu allen Zeiten mit dem Heidi-Stoff kreativ auseinandergesetzt. Auch die weltweiten fortlaufenden Neuauflagen sorgen dafür, dass stets neue Entwürfe der Romanfigur das Licht der Welt erblicken.

Das Heidiseum will den Geist der Autorin am Leben erhalten. Es möchte Spyris Wertschätzung und die Bedeutung, die sie für die illustrative Seite ihrer Geschichten ausgedrückt hat, in der Gegenwart sichtbar machen und mit Künstlerinnen und Künstlern in die Zukunft tragen. Es bietet daher engagierten Kunstschaffenden ein Forum, sich mit den Spyri-Stoffen auseinanderzusetzten. Diese künstlerischen Arbeiten stellt das Heidiseum auf seiner Internetseite vor und bindet sie in seine Ausstellungstätigkeiten mit ein.

Artists in Residence

Heidiseum - Niv Fridman
Niv Fridman (*1996) – Israel
Pirmin Breu (*1972) – Schweiz