Schatten und Licht
Heidis Erfolgsgeschichte in Israel – Eine Spurensuche 

7. September 2021 – 17. Oktober 2021

Unter der Schirmherrschaft von Dr. Hanna Livnat (Israel)

Copyright Heidiseum 2020

Yamima Sharon: Heidi. Tochter der Berge. Tel Aviv: Ofer Books Publishing [1970]

Mit geschätzten 60 Millionen verkauften Exemplaren und in über 70 Sprachen übersetzt, zählen die Heidi-Romane von Johanna Spyri zu den einflussreichsten Kinder- und Jugendbüchern der Welt. Heidi ist heute in fast allen Ländern und Kulturen bekannt und gehört seit 1946 auch in Palästina/Israel zum Kanon der Kinderliteratur. Der Roman, der in Israel in verschiedenen Übersetzungen, Adaptionen und Ausgaben erschienen ist, war auch in anderen Medien, wie Theater und Film, ein großer Erfolg. Mit Hanna Livnats 2019 vorgelegter hebräischen Gesamtübersetzung wird Heidis Erfolgsgeschichte in Israel fortgesetzt. Die Ausstellung nimmt die Präsentation aller verfügbaren hebräischen Heidi-Ausgaben der letzten 75 Jahre zum Anlass, den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die mediale Vielfalt und Entwicklung von Heidi in Israel/Palästina zu geben.

Doch wie ist diese ungebrochene Wirkung von Heidi zu erklären? Dieser Frage möchte die Ausstellung nachgehen und am Beispiel Israel zeigen, dass jede Nation und Generation, geprägt durch die großen Themen der eigenen Kultur und Zeit, Heidi durch die eigene kulturelle Brille liest und interpretiert. Für jüdische Leserinnen und Leser waren die Themen Heimat und Heimatverlust sowie der ganze Komplex der Waisenkinderfahrung, wie er für viele jüdische Kinder Realität war, von großer emotionaler Bedeutung. Heidi ist ein Roman, der von Schatten und Licht, von Abschied und Hoffnung geprägt ist, ähnlich wie die Lebensgeschichten vieler europäischer Jüdinnen und Juden. Es mag daher kein Zufall sein, dass Max Brod, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste und 1939 nach Tel Aviv emigrierte, der Tochter seiner langjährigen Sekretärin Ester Hoffe zum zwölften Geburtstag 1946 beide Bände der hebräischen Heidi-Ausgabe schenkte.

Das ausgestellte Spektrum an Heidi-Adaptionen zeigt, dass die Themen Natur, Heimat und Identität, die in der Heidi-Geschichte eine große Rolle spielen, auch im jüdischen Diskurs von zentraler Bedeutung sind. Vor dem Hintergrund einer neu entstehenden jüdischen Identität im jungen Staat Israel (1948) und der Errichtung einer identitätsstiftenden Kinderliteratur, erfahren die Besucherinnen und Besucher welches Bild sich die Übersetzerinnen und Übersetzter sowie Illustratorinnen und Illustratoren von Heidi machten und wie sie diese Geschichte für die neue Generation, die Hebräisch sprach und in Israel aufwuchs, anpassten.

Begleitet wird die Ausstellung von einer Fotoserie zum Thema Heidi des israelischen Nachwuchskünstlers Niv Fridman. Er hat sich der Geschichte aus seiner künstlerischen und kulturellen Perspektive angenähert. Als Sohn einer Familie mit polnischen Wurzeln reflektiert die Arbeit von Niv Fridman das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen zwei Kulturen und Welten, zwischen einer starken Verbundenheit zum Land Israel und gleichzeitig dem engen Bezug zur europäischen Kultur.


 

Wissenschaftlicher Beirat

Prof. Dr. Andreas Kilcher (ETH Zürich)
Prof. Dr. Zohar Shavit (Universität Tel Aviv)
Prof. Dr. Nitsa Ben-Ari (Universität Tel Aviv)
Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp (Universität Köln)
Dr. Alexander Alon (The Hebrew University of Jerusalem)
Maayan Cohen Duwek (Tel Aviv Museum of Art)

Kooperationspartner

Conrad Ferdinand Meyer-Haus, Kilchberg ZH
Gemeinde Kilchberg
Botschaft des Staates Israel in Bern
Shirley and Leslie Porter School of Cultural Studies, Universität Tel Aviv
Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft – ISEK, Universität Zürich
Digital Humanities Lab, Universität Basel
Department für Literatur- und Kulturwissenschaft/Jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, ETH Zürich
Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM
Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung – ALEKI, Universität Köln
ICZ – Israelitische Cultusgemeinde Zürich
Zurich, Generalagentur René Schreiber
Festjahr 2021 – Jüdisches Leben in Deutschland

Kuratorium

Nurit Blatman, M.A.
Dr. Peter Büttner
Peter Polzin, M.A.

Ausstellungskonzept

Roland Seltmann, Promuseo, Xanten

Schirmherrschaft

Dr. Hanna Livnat

Dr. Livnat ist Preisträgerin des «Notepad´s Honors For Excellence» und Übersetzerin der aktuellen hebräischen Heidi-Ausgabe von 2019 (Modan Publishing House Ltd., Moshav Ben-Shemen u. Ocean Publishing, Kibbutz Beit-Nir). Sie ist Senior Lecturer an der Universität Tel Aviv und am Beit Berl Academic College. Sie ist Autorin der Dissertation «In time of Crisis – The Attempt to Shape the Identity of Jewish Children during the Third Reich. Case Study: Children and Youth Literature of the Main Streams of German Jewry, 1933–1938.»
24 Jahre lang war sie die Leiterin des «Yemimah Center for the Study and Teaching of Children´s Literature, Beit Berl Academic Colleges». Sie war die Herausgeberin der Fachzeitzeitschrift «Olam Katan» (Small World). Hanna Livnat veröffentlichte drei Monographien sowie zahlreiche Aufsätze und Fachartikel zur Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur. Sie übersetzt aus dem Deutschen, Englischen und Französischen ins Hebräische. Neben Heidi (2019) übertrug sie u.a. auch die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (2011), Die unendliche Geschichte (2015) und Momo (2020) von Michael Ende sowie Tintenherz von Cornelia Funke (2008) ins Hebräische.

Veranstaltungsdaten

Adresse
Dorfstrasse 84, »Meierhüsli«, 8802 Kilchberg ZH

Dauer der Ausstellung
7. September – 17. Oktober

Öffnungszeiten
Mo: geschlossen
Di, Sa, So: 14.00 – 16.00 Uhr
Mi, Do, Fr.: 17.00 – 19.00 Uhr

Tickets/Eintrittspreise
Tickets vor Ort
Erwachsene: 12.00 CHF
Ermässigt: 8.00 CHF
Kinder bis 7 Jahre gratis

Führungen
Für Schulen und private Gruppen ab 10 Personen. Anfragen bitte an info@heidiheritage.com

Zugang
Barrierefreier Zugang

COVID: Es gelten die behördlichen Massnahmen des BAG für den Aufenthalt in Innenräumen.
Eigenverantwortung bleibt wegweisend.

Katalog zur Ausstellung
Heidi in Israel. Eine Spurensuche. Hrsg. von Peter O. Büttner, Andreas Kilcher, Nurit Blatman und Christine Lötscher. In Zusammenarbeit mit Maayan Cohen Duwek und Peter Polzin.
Hannover: Wehrhahn 2021, 264 Seiten, 83 farbige Abbildungen. ISBN: 978–3–86525–909–7
Der Katalog kostet 22,00 € │ 25.00 CHF (Vor Ort oder in jeder Buchhandlung erhältlich)

Anreise
Öffentliche Parkplätze in der Nähe.
ÖV: Von Zürich Bürkliplatz Bus-Linie 161 bis Halltestelle »Auf Brunnen«, S-Bahn: Von Zürich HB bis Kilchberg

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